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Kunstprojekt Salzburg 2010
AWILDA von Jaume Plensa

>> Bildergalerie Eröffnung


Am 9. Oktober 2010, wurde das nunmehr neunte Kunstprojekt Salzburg der Öffentlichkeit übergeben. Auf Einladung der Salzburg Foundation und der Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn hat der katalanische Künstler Jaume Plensa mit seiner Skulptur „Awilda“ ein Werk für die Stadt geschaffen, das von nun an in der „Dietrichsruh“ der Universität Salzburg (Zugang über Sigmund-Haffner-Gasse) zu besichtigen ist.

„Mit Jaume Plensa erweitern wir das Gesamtbild des Kunstprojektes Salzburg“, so der künstlerische Leiter Dr. h.c. Walter Smerling. „Plensas Arbeit ist nicht nur eine spannende Antwort auf die Stadt Salzburg, sondern auch auf seine Künstlerkollegen, die die anderen Projekte realisiert haben, insbesondere Balkenhol, Lüpertz und Cragg. Bei Betrachtung aller Kunstprojekte ergeben sich Interdependenzen, ein außergewöhnliches Beziehungsgeflecht. Dennoch bleibt jedes Kunstwerk autark, wirkt für sich und unabhängig vom anderen. Das Besondere an Plensa ist die soziokulturelle Dimension seiner Kunst, bei der es ihm nicht primär um Historisches, sondern vor allem um die Gegenwart des Einzelnen geht. Da wo beispielsweise Lüpertz und Cragg Beziehungen zwischen Abstraktion und Realismus praktizieren, schafft Plensa mit seiner verblüffend realen Abbildung eines weiblichen Gesichts Distanz und Nähe gleichermaßen – das ist für mich das Außergewöhnliche dieser Arbeit.“

Jaume Plensas Skulptur „Awilda“ ist der monumentale, 5m hohe Kopf eines jungen Mädchens mit karibischen Gesichtszügen, gestaltet aus weißem spanischem Marmor, der hochglänzend poliert ist. Die Figur, die unmittelbar aus dem Boden zu wachsen scheint, strahlt eine übernatürliche Ruhe und etwas höchst Rätselhaftes aus. Was wir sehen, ist eindeutig ein weiblicher Kopf, doch sofort entzieht sich „Awilda“ der Eindeutigkeit, die sich im ersten Moment beim Betrachter einstellt. Diese Irritation der Wahrnehmung gelingt dem Künstler, indem er sein Werk nicht aus einem Block fertigt, sondern aus 20 Scheiben gleicher Höhe aber unterschiedlichen Durchmessers, die übereinander auf einen im Boden verankerten Stahlstab gelegt werden. So scheint der Kopf zu schwingen, sich in die Höhe zu schrauben, nach oben und unten zu fließen. Die Silhouette verändert sich stetig beim Umrunden.

Die Schichtung der Marmorscheiben hat aber nicht nur formale Gründe, sondern auch inhaltliche: Sie verweist auf die von Plensa in Salzburg beobachteten „Schichten von Menschlichkeit“, die über Jahrhunderte gewachsen sind: „Meine Arbeit ist das Portrait eines sehr jungen Mädchens namens Awilda. Die Skulptur ist aus weißem Macael Marmor gemeißelt. Awilda kommt aus Santo Domingo. Sie ist einer dieser Menschen, die auf der Suche nach einem besseren Leben nach Europa gekommen sind. Mein Ziel ist es, mit ihrem Gesicht eine Portion Zukunft inmitten unserer alten Traditionen einzubringen. Die außergewöhnliche Geschichte der Stadt Salzburg besteht aus zeitlich übereinanderliegenden Schichten von Menschlichkeit. Eine Ablagerung. Awilda repräsentiert die enorme Kapazität, die ein anonymer Mensch hat, die tägliche Geschichte mit aufzubauen, auch wenn dies normalerweise von den großen Namen und dem politischen Geschehen überdeckt wird. Das alltägliche Leben verwandelt sich in etwas Übersinnliches. Ein Fest des Volkes.“ (Jaume Plensa)

Dieser Gedanke hat auch die Entscheidung Jaume Plensas für die Aufstellung seiner Skulptur in der „Dietrichsruh“ der Universität Salzburg beeinflusst. Es ist ein offener, stark frequentierter Ort, eine Eingangssituation. Studenten aus aller Welt treffen hier zusammen - die perfekte Kulisse für seine „heimatlose“ Awilda, ein Ort des Kennenlernens und der Erkenntnis, der Offenheit und Forschung.

Der Name Awilda entstammt ursprünglich einer nordgermanischen Sage aus der Völkerwanderungszeit, derzufolge eine skandinavische Königstochter namens Awilda/Alfhild als Piratin Reißaus nimmt, um einer ungeliebten Hochzeit zu entgehen. Der Mut des verschmähten Gatten im Kampf gegen ihre eigene Flotte lässt Awilda letztlich doch in die Hochzeit einwilligen. Entschlossenheit, Aufbruch und Zukunftswille sind zentrale Themen, die in der Sage von Awilda ebenso wie in Plensas Skulptur zum Tragen kommen.

Jaume Plensa wurde 1955 in Barcelona geboren. Hier unterhält er ein Atelier, in dem auch die Skulptur „Awilda“ entstanden ist. Seine zweite Heimat ist Paris, wo er 1993 vom französischen Kulturministerium zum Chevalier des Arts et des Lettres ernannt wurde. Plensa hat an der École Nationale des Beaux-Arts gelehrt und hat derzeit eine Gastprofessur an der Schule des Art Institute of Chicago (SAIC) inne. Seine Werke werden in Museen und Galerien in Europa, den USA und Japan präsentiert. Skulpturen für den öffentlichen Raum hat Plensa u.a. für Barcelona, Chicago, Dubai, Düsseldorf, Jerusalem, Liverpool, London, Nizza, Seoul, Tokio, Toronto und Zaragoza realisiert. In Salzburg ist er bekannt durch die Präsentation seiner Skulptur „WE“ im Residenzhof, einer Figur aus ineinander verschränkten Schriftzeichen. Auch für die Salzburger Festspiele war Jaume Plensa bereits tätig: 1999 hat er die Bühnengestaltung für Berlioz’ „Damnation de Faust“ übernommen.

Wir freuen uns, dass es in diesem Jahr erneut durch privates und unternehmerisches Engagement gelungen ist, das Kunstprojekt Salzburg vollständig ohne öffentliche Mittel zu finanzieren. Im Besonderen möchten wir Herrn Prof. Dr. h.c. mult. Reinhold Würth für seine Unterstützung der Salzburg Foundation und sein Engagement für das Projekt von Jaume Plensa herzlich danken. Für die Organisation des Projekts zeichnet die Stiftung für Kunst und Kultur e.V. Bonn in Kooperation mit der Salzburg Foundation verantwortlich.

Mit Jaume Plensa präsentiert die Salzburg Foundation bereits das neunte Kunstprojekt Salzburg. Insgesamt sind zehn Projekte in der Stadt geplant. Die bisherigen Beiträge stammen von Anselm Kiefer (2002), Mario Merz (2003), Marina Abramovic (2004), Markus Lüpertz (2005), James Turrell (2006), Stephan Balkenhol (2007), Tony Cragg (2008) und Christian Boltanski (2009).

Für das finale 10. Kunstprojekt Salzburg im kommenden Jahr möchte der künstlerische Leiter der Salzburg Foundation, Dr. h.c. Walter Smerling, drei österreichische Künstler einladen - als Hommage an das Gastgeberland dieses international einzigartigen Projektes. Geplant sind Brigitte Kowanz, Erwin Wurm und Manfred Wakolbinger.

Jaume Plensa - Awilda, 2010
Jaume Plensa - Awilda, 2010
Jaume Plensa und seine "heimatlose" Awilda, 9. Oktober 2010
Enthüllung von Awilda, 9. Oktober 2010
Der Künstler und die Eröffnungsredner, 9. Oktober 2010
Jaume Plensa - Awilda, 2010
Jaume Plensa - Awilda, 2010
Jaume Plensa - Awilda, 2010
Jaume Plensa - Awilda, Zeichnung 2010